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Äpfel statt Flugtickets 11. Okt. 2011

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Aysen Yesilyurt

Name: Aysen Yesilyurt
Wohnort: Antalya
Beruf: Obstbäuerin

Deutsch-türkische Touristikmanagerin wird Obstbäuerin

Aysen Yesilyurt kam mit ihrer Familie einer besseren Zukunft wegen nach Deutschland und wurde Unternehmerin. Jetzt ist sie in ihr Heimatdorf zurückgekehrt und kümmert sich dort um die Apfelplantage ihrer Familie.

„Dolu, boş!“ – „Der Eimer ist voll, einen leeren schnell!“ schallt es alle vier Minuten über die Apfelplantage der Yesilyurts in Afşar. Es ist Ende September in der fruchtbaren Ebene in der Nähe des Egirdir-Sees, etwa 150 Kilometer nördlich von Antalya. Rund 20 Erntehelfer sind damit beschäftigt, Eimer zu füllen, Apfelkisten zu packen, LKW zu beladen. Eigentlich in dieser Jahreszeit ein ganz normales Bild in der ländlichen Türkei. Nicht normal allerdings ist, dass einer der Helfer ein deutscher Bankmanger ist und der Chef der Erntekolonne und Besitzer der Plantage eine Frau: Aysen Hackstein-Yesilyurt, ehemalige Touristikmanagerin und Geschäftsfrau aus Düsseldorf, ist erfolgreich in eine traditionelle Männerdomäne eingebrochen.

Gemeinsam mit Eltern und Verwandten kommt sie in den 1960er Jahren ins Ruhrgebiet. Ende der 1980er Jahre kehrt Aysen, wie viele Deutschtürken damals, zurück in die Türkei und macht in Antalya erste Erfahrungen in der Touristikbranche. In Düsseldorf gründet sie ein paar Jahre später ihr eigenes Touristikunternehmen, das bereits frühzeitig Reisen auch über Teletext verkauft. Hier lernt sie den Bankmanager Bernd Hackstein kennen, die beiden heiraten im Jahr 2000. Das Unternehmen mit dem zukunftsträchtigen Konzept ist erfolgreich, Aysens kränkelnder Sohn erfordert aber ihre Aufmerksamkeit. Sie verkauft ihr Geschäft und widmet sich der Pflege ihres Kindes. Als eine intensive Betreuung nicht mehr nötig ist, steigt Aysen Hackstein-Yesilyurt als Führungskraft in einem Facility-Management-Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern erneut ins Berufsleben ein.

Bernd Hackstein, ihr Ehemann, seit mehr als 30 Jahren begeistert von Landschaft, Menschen und Kultur der Türkei, hat das Land schon bereist, bevor er Aysen kennenlernte. Sein Erspartes investierte er in eine Eigentumswohnung in Antalya, inzwischen das zweite Domizil des deutsch-türkischen Ehepaars. „Genau wie Düsseldorf ist Antalya eine sehr schöne Stadt, die leider oft verkannt wird. Die Menschen sind offen, Antalya ist eine der modernsten und modischsten Städte der Türkei. Neben der liebevoll restaurierten Altstadt gibt es tolle Strände, Museen voller Kulturschätze und eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft in der Umgebung“, schwärmt der gebürtige Rheinländer Hackstein.

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Äpfel

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Bernd Hackstein

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Aysen Yesilyurt

2009 möchte Aysens Vater sich zur Ruhe setzen und sucht einen Nachfolger für seine mehr als fünf Hektar große Apfelplantage. Kurz entschlossen übernimmt Aysen die Verantwortung für den Familienbetrieb. Als erstes investierte sie in mehr Land. Das zahlte sich aus: 2010 können bereits weit über 250 Tonnen grüne, rote und gelbe Granny Smith, Golden Delicious und traditionelle Eğirdir-Äpfel geerntet werden, die direkt an Großmärkte in Antalya und ins Ausland geliefert werden. Mit den Großhändlern verhandelt Aysen selbst. Deren anfängliches Erstaunen wandelt sich zu Respekt vor ihrem selbstbewussten Auftreten in dieser traditionell geprägten Männerwelt. Typisch deutsche Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Organisationsfähigkeit, die sie als Kind in Deutschland erlernt hat, bringt Aysen erfolgreich in die Arbeit auf der Plantage ein. Aber auch ihr Ehemann, daheim verantwortlich für das Qualitätsmanagement seiner Bank, wird von den Bauern skeptisch betrachtet. Ob ein Banker wohl weiß, wie Äpfel gepflückt werden? Kann der wohl mehr als zehn Kilogramm heben? Er konnte beides.

„Heute ist das ganze Dorf neugierig und schaut gespannt auf uns, bringen wir doch neue Ideen und Ansehen in dieses Dörfchen am nördlichen Egirdir-See, das teilweise noch lebt wie im 19. Jahrhundert“, sagt die neue Herrin über die Apfelplantagen. Eine dieser neumodischen Ideen ist der Plan vom Bioanbau. „Die Nachfrage nach Ökoobst wächst auch in der Türkei, nicht zuletzt eine Folge des gestiegenen Ernährungsbewusstseins der jungen türkischen Bevölkerung“, so Aysen Yesilyurt. Außerdem will sie weitere Obstsorten anbauen, um der Monokultur entgegenzuwirken. Qualitätsmanager Hackstein, der dreimal im Jahr in die Türkei fliegt, denkt derweil über eine Verbesserung der Arbeitsorganisation auf der Plantage, neue Märkte und Absatzsteigerung durch Marketingmaßnahmen nach.

Am liebsten träumen die beiden gemeinsam am naturbelassenen Yakomoz-Strand von Antalya. Dort entwickeln sie auch ihre nächste Vision: Es soll ein Hotel auf Yeşil Ada werden. Die Halbinsel gehört zu Egirdir im gleichnamigen See, war bis 1923 griechisch besiedelt und ist das beliebteste Touristenziel des Städtchens. „Neben einer schönen Landschaft gibt es historische Bauwerke wie die Aya-Stefanos-Kirche, außerdem viele Fischrestaurants, auf deren Speisekarten besonders schmackhaft zubereitete Fische und Krebse aus dem See zu finden sind“, schwärmt Bernd Hackstein.

Wenn die Hacksteins mit diesem Projekt genauso erfolgreich sind wie mit ihrer Apfelplantage, dann werden die noch nicht sehr zahlreichen Besucher der sehenswerten Landschaft des „türkischen Lake District“ bald in einem modernen und komfortablen Hotel übernachten können. Wir wünschen Aysen und Bernd Hackstein dafür alles Gute!

Weitere Informationen und Reiseangebote von ÖGER TOURS.

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4 Kommentare zu Äpfel statt Flugtickets

  1. Deniz sagt:

    Wow, wirklich ein schöner Artikel und eine interessante Geschichte von Aysen. Es geht doch nichts über das Landleben in der Türkei 😉

  2. Temel sagt:

    Ein toller Beitrag! Frauenpower weiter so…..
    Wir alle müssen aber auf jeden Fall noch umweltbewusster werden.
    Das fängt bei der Müllentsorgung an und endet hoffentlich nicht nur bei Bioanbau sondern beendet auch die Fastfoodmentalität.

  3. Roswitha sagt:

    ich kann meinen Vorrednerinnen nur zustimmen eine tolle Lebensgeschichte und ein klasse Artikel.

    VG

  4. Christiane sagt:

    Habe gehört, dass ihr inzwischen verdreifacht habt und Aysen sogar als Bürgermeisterin von der Bevölkerung „gewünscht“ wird.

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